Die Sirenen waren nicht draußen – sie hallten in meiner Brust wider, laut und unerbittlich. Als die Polizei die Turnhalle betrat, kamen mir all die grausamen Witze und das Getuschel über mein Gesicht wieder in den Sinn. Meine Gedanken rasten, die Angst überwältigte mich.
Ich war mir sicher, dass sie meinetwegen da waren. Ich glaubte, Caleb hatte gelogen, alles war eine ausgeklügelte Falle gewesen. Die Demütigung, die ich immer gefürchtet hatte, schien nur noch Augenblicke davon entfernt, wieder Realität zu werden.
Jahrelang war ich der Gespött der Leute gewesen, das Mädchen, das angestarrt und über das geredet wurde. Wie erstarrt stand ich da und wappnete mich für das Schlimmste, überzeugt, dass sich die Geschichte wiederholte.
Dann änderte sich etwas. Einer der Beamten drehte sich um, und plötzlich richteten sie ihre Aufmerksamkeit nicht mehr auf mich. Die Anspannung in meiner Brust löste sich vor Verwirrung.
Sie gingen an mir vorbei und überquerten die Turnhalle in Richtung Brittany. Dieselbe Brittany, die diese Hallen mit Selbstsicherheit und Grausamkeit beherrscht hatte, stand nun im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit.
Ihre Macht schwand rasch. Das höhnische Grinsen verschwand und wurde von Panik abgelöst. Ihre Stimme, eben noch voller Spott, schwoll zu verzweifelten Schreien an, die durch den stillen Raum hallten.
Die Menge, die ihr einst gefolgt war, verstummte. Dieselben Leute, die mich ausgelacht hatten, sahen nun fassungslos zu, wie alles, was sie aufgebaut hatte, vor ihren Augen zusammenbrach.
Später, als die blinkenden Lichter verschwunden waren und die Musik langsam wieder einsetzte, hatte sich etwas in mir verändert. Der Raum wirkte kleiner, und zum ersten Mal fühlte ich mich nicht kleiner.
Mein Muttermal war noch da, unverändert. Aber die Geschichte darum hatte sich verändert. Mit Megan an meiner Hand und Caleb in meiner Nähe ging ich verändert hinaus – nicht länger von ihnen bestimmt, sondern endlich selbstbestimmt.