„Ich enttäusche euch“, sagte er leise in den leeren Raum.
Sein Telefon klingelte. Sein Betriebsleiter, Steven Lowell, sprach vorsichtig: „Sir, keine ausgebildete Nanny wird die Stelle annehmen. Die Rechtsabteilung hat mir geraten, nicht mehr anzurufen.“
Jonathan atmete langsam aus. „Also haben wir kein Kindermädchen eingestellt.“
„Es bleibt nur noch eine Möglichkeit“, antwortete Steven. „Eine Haushaltshilfe. Es bestehen keine Betreuungspflichten für Kinder.“
Jonathan blickte aus dem Fenster in den Garten, wo zerbrochenes Spielzeug zwischen vertrockneten Pflanzen und umgestürzten Stühlen lag. „Stell ein, wer zusagt.“
Auf der anderen Seite der Stadt, in einer schmalen Wohnung nahe National City, schnürte die 26-jährige Nora Delgado ihre abgetragenen Turnschuhe fester und stopfte ihre Psychologiebücher in einen Rucksack. Sechs Tage die Woche putzte sie Wohnungen und studierte abends Kindertrauma, getrieben von einer Vergangenheit, über die sie nur selten sprach. Als sie 17 war, war ihr jüngerer Bruder bei einem Hausbrand ums Leben gekommen. Seitdem erschreckte sie die Angst nicht mehr. Stille ängstigte sie nicht. Schmerz fühlte sich vertraut an.
Ihr Handy vibrierte. Der Vorgesetzte der Personalagentur klang gehetzt. „Notfallvermittlung. Privatgrundstück. Sofortiger Beginn. Dreifaches Gehalt.“
Nora betrachtete die an ihrem Kühlschrank klebende Fahrzeugzulassungsbescheinigung. „Schicken Sie mir die Adresse.“
Das Haus der Whitakers war wunderschön, wie Geld eben so ist. Klare Linien, Meerblick, gepflegte Hecken. Innen wirkte es vernachlässigt. Der Wachmann öffnete die Tür und murmelte: „Viel Glück.“
Jonathan begrüßte sie mit dunklen Ringen unter den Augen. „Es geht nur ums Putzen“, sagte er schnell. „Meine Töchter trauern. Ich kann ihnen keinen Frieden versprechen.“
Über uns hallte ein lauter Knall wider, gefolgt von einem so schrillen Lachen, dass man sich schneiden konnte.
Nora nickte. „Ich habe keine Angst vor Trauer.“
Sechs Mädchen beobachteten das Geschehen von der Treppe aus. Die zwölfjährige Hazel stand steif da. Die zehnjährige Brooke zupfte an ihren Ärmeln. Die neunjährige Ivy blickte unruhig umher. Die achtjährige June war blass und still. Die sechsjährigen Zwillinge Cora und Mae lächelten allzu wissend. Und die dreijährige Lena klammerte sich an einen zerrissenen Stoffhasen.
„Ich bin Nora“, sagte sie ruhig. „Ich bin gekommen, um zu putzen.“
Hazel trat vor. „Sie sind Nummer achtunddreißig.“
Nora lächelte, ohne zu blinzeln. „Dann fange ich mit der Küche an.“
Ihr fielen die Fotos am Kühlschrank auf. Maribel beim Kochen. Maribel schlafend im Krankenhausbett, Lena im Arm. Die Trauer war hier nicht verborgen. Sie wurde offen zur Schau gestellt.
Nora backte Bananenpfannkuchen in Tierform, nach einer handgeschriebenen Notiz, die an einer Schublade klebte. Sie stellte einen Teller auf den Tisch und ging weg. Als sie zurückkam, aß Lena schweigend und mit großen Augen vor Überraschung.
Die Zwillinge schlugen zuerst zu. Ein Gummiskorpion tauchte im Putzeimer auf. Nora betrachtete ihn eingehend. „Beeindruckende Details“, sagte sie und legte ihn zurück. „Aber Angst braucht einen Kontext. Du musst dir mehr Mühe geben.“
Sie sahen sie verunsichert an. Als June ins Bett gemacht hatte, sagte Nora nur: „Angst verwirrt den Körper. Wir werden es stillschweigend sauber machen.“ June nickte, Tränen stiegen ihr in die Augen, aber sie flossen nicht.
Sie saß während Ivys Panikattacke bei ihr und beruhigte sie mit sanften Anweisungen, bis sich ihre Atmung beruhigte. Ivy flüsterte: „Woher weißt du das?“