Als ich meine Mutter das erste Mal wieder mit meinem Lieblingsparfüm sah, wusste ich, dass etwas nicht stimmte.
Die Scheidung erfolgte kurz darauf.
Daniel zog zwei Wochen später in das Haus meiner Mutter.
Offenbar dauerte die Affäre schon fast ein Jahr an.
Pro Jahr.
Familientreffen ergaben plötzlich Sinn. Ihre seltsamen Blicke. Ihre Insiderwitze. Die Art, wie sie ihn verteidigte, wann immer wir stritten.
Noch schlimmer?
Manche Menschen sympathisierten tatsächlich mit ihnen.
„Sie haben sich verliebt“, flüsterte eine Tante vorsichtig.
„Du verdienst sowieso jemanden Besseren“, sagte meine Freundin Nina zu mir.
„Zerstöre dich nicht selbst durch das Festhalten an Hass.“
Aber es war nicht der Hass, der mich nachts wach hielt.
Es war eine Demütigung.
Ich hatte im selben Atemzug meinen Mann und meine Mutter verloren.
Und irgendwie durften sie trotzdem die Opfer spielen.
Sechs Monate später gaben sie ihre Verlobung bekannt.
Daniel hat mir selbst eine Nachricht geschickt.
Ich bewunderte die Grausamkeit beinahe.
Ich hoffe, dass du dich eines Tages für uns freuen kannst.
Glücklich.
