Zwanzig lange Jahre schlief ich jede Nacht in der festen Überzeugung ein, meine kleine Tochter sei direkt aus unserem Garten in Kairo entführt worden. Dann landete plötzlich eine Postkarte in meinem Briefkasten. Auf der einen Seite prangte ein ägyptischer Poststempel, auf der anderen die Absenderadresse eines Ortes, der nur fünf Kilometer von meinem Zuhause in Ohio entfernt lag. Zuerst dachte ich, es sei nur ein weiterer kranker Scherz von jemandem, der die schmerzhaften Wunden meiner Vergangenheit wieder aufreißen wollte. Doch die Informationen, die ich nach meinem Besuch an der angegebenen Adresse erhielt, ließen mich erkennen, dass ich von jemandem betrogen worden war, dem ich mein Leben anvertraut hatte.
Die Postkarte selbst war verrückt. Sie hatte diesen Kairoer Poststempel, aber die Adresse auf der Rückseite lag nur eine kurze Autofahrt von meiner Haustür entfernt.
Keine Begrüßung, keine Unterschrift am Ende, nur ein einziger Satz in eng beieinander stehenden Blockbuchstaben: „Komm allein, wenn du immer noch die Wahrheit über Tara wissen willst.“
Tara war meine Tochter. Sie verschwand spurlos, als sie acht Jahre alt war, während wir in Ägypten waren. Und jetzt, zwanzig Jahre später, sitze ich hier, fahre mit klopfendem Herzen auf diese zwielichtige Ansammlung von Lagerräumen zu und lese immer wieder den Zettel neben mir. Ich habe die Nummer 42 gefunden. Ich griff nach dem kalten Türknauf, holte tief Luft, wappnete mich für den Horror, der mich erwarten würde, und öffnete die Tür.
Ich brach sofort zusammen und verlor den Halt in den Knien.