„Von dem Geld, das sie mit Weinen verdient“, sagte sie ganz nüchtern, als wolle sie erklären, dass Wolken aus Watte bestehen. „Das gibt sie Papa.“
Ich wartete darauf, dass Nolan auch lachte. Dass er die Augen verdrehte, ihr durch die Haare wuschelte und sie seine kleine Geschichtenerzählerin nannte. Aber er tat es nicht.
Sie stand völlig regungslos neben dem offenen Kofferraum, und langsam und qualvoll wich die Farbe aus ihrem Gesicht. Ihre Hand blieb auf der Einkaufstasche, ihre Knöchel waren weiß.
Die Geräusche des Parkplatzes, das Klappern der Einkaufswagen, das ferne Hupen – all das schien zu verblassen, bis ich nur noch den Schlag meines eigenen Herzens hören konnte.
—Nolan?
Der Kofferraum knallte so laut zu, dass Ivy in ihren Hausschuhen zusammenzuckte. So ein Geräusch hatte sie noch nie gehört.
„Ivy“, fuhr Nolan ihn an. „Hör auf, dir Sachen auszudenken.“
Seine Stimme war schrill.
Ich sah ihn an, aber er vermied meinen Blick. Er starrte auf den Asphalt, als hätte er etwas falsch gemacht.
Ivys Unterlippe begann zu zittern.
—Aber Papa —flüsterte sie —, du hast gesagt, ich soll Mama nichts von dem Geld erzählen, wegen dem ich geweint habe.
Einen langen Moment lang rührte sich niemand. Ein Karren ratterte an uns vorbei. In der Nähe ertönte eine Autoalarmanlage.
Und mein Mann, der die Einkäufe auf einmal getragen und nie die Stimme gegen unsere Tochter erhoben hatte, wirkte, als sei etwas in ihm entleert worden.
„Steig ins Auto, Ivy“, sagte er leise. „Bitte.“
Sie zuckte bei dem Wort „bitte“ zusammen. Es war schlimmer als sein Schreien. Wortlos kletterte sie auf den Sitz und drückte ihren Stoffhasen fest an ihre Brust.
Ich stand langsam auf. Meine Knie fühlten sich seltsam an, als gehörten sie jemand anderem.
—Nolan.
—Nicht hier, Maren.
—Und wohin?
—Bitte zu Hause.
Ich saß auf dem Beifahrersitz, weil ich mir selbst nicht zutraute, am Steuer zu sitzen. Die ganze Fahrt über…
Auf dem Heimweg sah ich, wie die Linien auf der Straße verschwammen, als ich vorbeifuhr, und versuchte, die Zahlen in meinem Kopf zu entziffern.
Ein roter Mantel. Ein rotes Auto.
Eine blonde Frau auf einer Firmenfeier, an die sie sich bis zwanzig Minuten zuvor kaum erinnern konnte.
Geld weint. Für meinen Mann, der nie geweint hat.